Gedenkausstellung zum 80. Geburtstag von Hilda Staub

05.12.2025

Gedenkausstellung zum 80. Geburtstag von Hilda Staub

Im Atelier in Mörschwil. Eröffnung 29. November 2025.  Text: Christoph Baumgartner

 

Am 5. Dezember 2025 wäre Hilda 80 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass gibt es im Atelier von Hilda, in der Wohnung und im Garten in Mörschwil eine Rückschau auf ihre vielseitige künstlerische Tätigkeit. Hilda ist am 16. April 2015 nach langer Krankheit zuhause gestorben.

Nach ihrem Tod wurde ihr Atelier zu einer Galerie umgestaltet, in der ihre Werke in wechselnder Zusammenstellung gezeigt werden.

In den letzten Monaten ihres Lebens war Hilda nicht mehr in der Lage, künstlerisch zu arbeiten. Sie hat jedoch die in ihrem Archiv vorhandenen Arbeiten nochmals sorgfältig durchgesehen, geordnet, beschriftet und einiges auch aussortiert.

Hilda hat so ihr Werk wohlgeordnet und gut gepflegt hinterlassen. In den Jahren 2015 bis 2017 wurde das gesamte Schaffen von Hilda digital erfasst. Auf dieser Basis ist 2017 die Monographie «Hilda Staub – Welche Farbe hat der Tag ?» entstanden, die hier vorliegt. Die erste Auflage ist vergriffen, ein Nachdruck wird aktuell vorbereitet.

Hilda hat immer mit den verschiedensten Materialien und Techniken gearbeitet und experimentiert. Sie bewegte sich sowohl im Bereich von Zeichnung und Malerei wie auch Raum von Plastik, Objekt und Installation. Vieles lief parallel und häufig gaben Elemente aus dem zweidimensionalen Bereich Anstoss für neue plastische Formen und Objekte – zum Beispiel über ihre Schatten – Ideen für neue Bilder und umgekehrt. So sind zahlreiche sehr unterschiedliche Arbeiten entstanden. Die aktuelle Ausstellung zeigt charakteristische Werke aus allen Schaffens-Bereichen und -Zeiten.

 

Werke im Innenbereich:

Die Äthiopien-Puppen sind hier erstmals an einer Ausstellung zu sehen. Sie sind 1974-75 entstanden. Ich arbeitete damals an einem Spital in Addis Abeba. Eindrücke aus den vielen Reisen durch das Land sind in die Gestaltung der Puppen eingeflossen. Das war der eigentliche Beginn von Hildas künstlerischer Tätigkeit. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz hat sie – inspiriert von Sasha Morgenthaler – weiterhin Puppen gemacht, mit anderen Motiven und Materialien. Zwei davon sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Von den nachfolgenden Arbeiten sind die Zeichen vergangener Tage zu erwähnen. Das ist als Gesamtkunstwerk, ein riesiges Konvolut von Arbeiten im Postkarten-Format, die Hilda tagebuchartig über einen Zeitraum von über dreizehn Jahren (1986 – 1999) gestaltet hat. Von jedem Tag wurde eine bearbeitete Karte in die Sammlung aufgenommen. Dabei hat sie die Karten nicht nur bemalt, sondern auch in nassem Zustand zu Objekten geformt, oft kombiniert mit kleinen Fundgegenständen. Zeitweise hat sie die Karten monatsweise zu einem Leporello zusammengefügt. Zwei Vitrinen zeigen einen kleinen Ausschnitt dieser über 4000 Elemente enthaltenden Sammlung.

Mit einer ganz eigenen Maltechnik hat Hilda ihre Strich- und Linien-Bilder gestaltet. Hier hat sie auf der horizontalen Leinwand farbige Tusche mit improvisierten Instrumenten Schicht für Schicht und immer mit der gleichen Handbewegung aufgetragen bis sich vibrierende, flimmernd-leuchtende Strukturen ergaben. So sind zahlreiche Bilder in den unterschiedlichsten Formaten zwischen 18 x 13 und 162 x 127 cm entstanden.

Hilda ist leidenschaftlich gern gereist. Dabei war sie immer mit Mal- und Zeichen-Utensilien unterwegs. Ihre Eindrücke hat sie jeweils in einem zu Beginn leeren Buch festgehalten. So sind 37 Skizzenbücher entstanden. Diese gaben ihr später nach der Rückkehr in ihr Atelier Impulse für neue Arbeiten. Alle diese Skizzenbücher liegen in der Ausstellung auf und können besichtigt werden.

Schatten haben Hilda immer fasziniert, da sie immateriell, beweglich und flüchtig sind, ein verformtes Abbild des Schatten-gebenden Objektes liefern und eigene gestalterische Qualitäten haben. So hat Hilda in der Natur oft Schatten skizziert aber auch im verdunkelten Raum mit ihren eigenen Objekten Schatten produziert. Daraus hat sie die Schattenbilder geschaffen, teils schwarz-grau-weiss und teils in subtilen Farbabstufungen.

Das Faservlies, wie es oft in der Landwirtschaft gebraucht wird, hat Hilda zu einer ganzen Reihe von kleinen und grossen beweglichen Objekten angeregt. Dabei hat sie dieses transparent-weisse Vlies über speziell geformte Strukturen aus Chromstahl-Draht und -Stäben gespannt und mit Acryl-Masse stabilisiert. Neben den Installationen für den Aussenbereich sind mit dieser Technik auch viele keine Objekte für Innenräume entstanden. Dazu gehören: Meeting Point, Fliegen sollte man können, Kreise öffnen und schliessen sich, Small World, Topographie, Kopfüberlinge, Winzlinge, Sesam und Das Mass aller Dinge.

In den 90er Jahren hat Hilda Papierobjekte in sehr unterschiedlichen Grössen und Formen gemacht. Dabei verwendete sie Reste von Rollen-Papier aus der Druckerei. Die langen Papier-Bahnen wurden im Garten ausgebreitet benetzt, zusammengepresst und geschnürt. Nach dem wochenlangen Trocknen hat Hilda sie geschliffen und mit Feuer bearbeitet.

Ebenfalls aus Papier hat Hilda die Leerraumhüllen geformt. Das sind grau gefärbte Gebilde, die an überdimensionierte Schmetterlings-Puppen oder Meeres-Tiere erinnern.

 

Werke im Aussenbereich:

Wenn man an die Huebstrasse 28 kommt, ziehen die farbigen Luftfüssler über dem Garage-Dach den Blick auf sich. Das sind die gleichen, mit denen Hilda 2005 die grosse Installation Luftfüssler in der Berner Altstadt gestaltet hat. Damals waren es 400 dieser Figuren, die Leben in die durch Bauarbeiten blockierten Gassen brachten. Von den ursprünglichen, kleineren in weiss und schwarz gehaltenen Luftfüsslern und von den Stabfüsslern gibt es ebenfalls je eine Gruppe im Garten.

Gleich daneben findet sich die Installation Fluglinie: Schmale, lange an Federn erinnernde, beweglich auf einem Draht montierte Objekte, die sich im Wind wiegen. Ursprünglich war das eine grosse Installation die 2010 mit 104 Einzelelementen einen Seitenarm der Aare bei Rubigen überspannte. Hier kontrastieren und spielen diese beweglichen «Flügel» zusammen mit der ebenfalls vom Wind bewegten Installation Blaue Welle – Wellenlinie.

An der Hausfassade gegen die Strasse findet sich Au Souffle du Vent ein grosser, halbkugelförmiger Fächer, der sanft mit den Luftströmungen und der abendlichen Sonneneinstrahlung spielt. Auf der gleichen Hausseite finden sich die in gelb-orange-roten Farbtönen leuchtenden handförmigen Objekte, die Workers.

Im Garten finden sich zum Teil versteckt unter Sträuchern und Bäumen die pilzartigen Leerraumgehäuse. Zierliche Bambus-Gerüste mit Faservlies überspannt umgrenzen einen zu schützenden imaginären Raum. Sie sind Wind, Wetter und der Natur ausgesetzt und fangen Schatten der sie umgebenden Äste und Blätter auf.

Die jetzige Ausstellung wurde am 29. November 2025 im Rahmen eines Geburtstags-Apero eröffnet. Eingeladen waren Freunde, Bekannte und Verwandte von Hilda und mir. Die Ausstellung in den Räumen, in denen Hilda gearbeitet und gelebt hat, ist auf unbestimmte Zeit angelegt und kann auf Wunsch besichtigt werden. Anfragen sind zu richten an:

Christoph Baumgartner, www.ch.bg@outlook.com oder 079 257 84 08.

Webseite: www.hildastaub.ch

Einladung